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Verschiedene Städte, gemeinsames Mindset: Ein Einblick in die Urban Data Community

Daniel Stölzle sitzt in seinem Wohnzimmer. Nein, nicht bei sich zu Hause, wie man das von unzähligen Videocalls derzeit bereits gewohnt ist, sondern im Büro seines Arbeitgebers, der Mainzer Stadtwerke AG. Dort haben der Innovationsmanager und seine Kolleg*innen ein Großraumbüro aufgegeben, um stattdessen den Innovationsraum, liebevoll das „Wohnzimmer“ genannt, einzurichten. Hier fängt der Wissensaustausch und Zusammenarbeit schon auf niedrigster Ebene an. Aber er und seine Kolleg*innen teilen nicht nur innerhalb der eigenen Organisation ihr Wissen – sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus in der Urban Data Community (UDC).

 Offene Kollaboration als Treiber für neue Tools und Technologien 

„Hier bei uns liegt ein Fokus darauf, aus Daten Mehrwerte zu generieren, um den Herausforderungen unserer Zeit mit daten- und evidenzbasierten Lösungen möglichst effizient zu begegnen. Aber dafür braucht es Kollaboration auf mehreren Ebenen”, erklärt Daniel Stölzle. Das ist einer der Gründe, weswegen die Mainzer Stadtwerke Teil der UDC geworden sind: eine Gemeinschaft, die gegründet wurde, um Smart City-Akteur*innen auf interkommunaler Ebene zu vernetzen, rund um das Thema urbane Daten miteinander ins Gespräch zu bringen – und gemeinsam aktiv zu werden, um gefundene Lösungen schnell in Anwendung zu bringen. Organisiert wird die Community durch DKSR als Anbieter und Partner und durch das Fraunhofer IAO, in dessen Innovationsnetzwerk “Morgenstadt” die Community ihre Wurzeln hat.

Bereits innerhalb der ersten Treffen der Gemeinschaft stellte sich schnell heraus, dass verschiedene kommunale Akteur*innen vor nahezu identischen Aufgaben und Fragen stehen: 

Wie können wir unsere Grünflächen auch im Hitzesommer bedarfsgerecht bewässern? Wie können wir Falschparker auf E-Ladesäulenstationen erkennen? Wie können wir unsere Stadtbewohner*innen motivieren, das eigene Auto stehen zulassen und auf den ÖPNV umzusteigen? 

Genau das sind Herausforderungen, für die sich mit Hilfe von Daten intelligente Lösungen schaffen lassen – und eigentlich sind diese digitalen Lösungen gut übertragbar. Warum sollte also das Rad deutschlandweit von jeder Kommune immer wieder neu erfunden werden? Bei diesem Gedanken setzt die Arbeit der Urban Data Community an. Durch sie wird eine Plattform dafür geschaffen, aus lokalen Anwendungsfällen replizierbare Vorlagen zu entwickeln. “Der große Mehrwert der UDC ist die organisierte Zusammenarbeit – und der Ansatz, dass wir unsere entwickelten Lösungen anderen zugutekommen lassen können”, meint auch Daniel Stölzle. 

Das ist das grundlegende Mindset der Community: Teilen ist besser als tausende Teillösungen. So werden Synergieeffekte erzielt, von denen letztlich alle Mitglieder profitieren. In regelmäßigen digitalen Austauschformaten der Gruppe wird gefachsimpelt, verglichen, kritisch diskutiert; bald soll auch in offenen Review-Meetings projektspezifisches Feedback eingeholt werden. Auf diese Weise funktioniert ein schneller Austausch darüber, wie beispielsweise ein erster Anwendungsfall aufgebaut werden kann oder mit welchen Sensoren in einem bestimmten Kontext bisher gute Erfahrungen gemacht wurden. Oder lohnt sich an einer Stelle sogar eine gemeinsame Beschaffung? 

Mehr Motivation mit Community Coins 

Um das Teilen und den sogenannten Give & Take-Prozess zu unterstützen, möchte die Community zukünftig ein Bonussystem etablieren. “In einer Community sind selten alle gleich aktiv – und es sind auch nicht alle gleich weit vorangeschritten”, ist die ehrliche Überlegung in einem Meeting. Dass Mitglieder, die an der Entwicklung von Anwendungsfällen beteiligt waren, in ihrem getätigten Engagement im Vergleich zu beispielsweise neu hinzukommenden Mitgliedern benachteiligt werden, soll mit Hilfe des Bonussystems verhindert werden. 

Seit zwei Monaten wird daher unter der Federführung der Morgenstadt Initiative ein entsprechendes Pilot-System aufgebaut. “Als Mitglied verdient man Coins, wenn man beispielsweise eine technische Plattform-Komponente finanziert, die andere Mitglieder später nachnutzen können. Das Motivierende hieran: Die Coins kann man später für eigene Projekte wieder einsetzen; sie gewähren sozusagen einen Rabatt und befeuern die Weiterentwicklung”, so Eva Ottendörfer, Leiterin des Teams Urban Governance Innovation und der Morgenstadt Initiative am Fraunhofer IAO. 

Genau dieses Prinzip unterstreicht die Funktionsweise der Community: Ideen entstehen im co-kreativen Prozess in der Gemeinschaft und werden, unterstützt durch das UDC-Team, katalysiert und organisiert. Die Morgenstadt Initiative schafft hierbei die Verbindung zur Wissenschaft, während DKSR den Auftrag hat, ins wirtschaftliche Ökoystem zu vermitteln.  

Im Jahr 2022 gewinnt die Community ein weiteres Feature: Sie erhält einen eigenen virtuellen Ort zum Austausch im neuen Infoportal von DKSR. Einen Überblick, was die Community bietet und wie Kommunen und kommunale Unternehmen daran teilnehmen können, kann man auch hier bereits finden.

Alle, die noch Näheres wissen wollen, können sich gerne bei Eva Schmitz melden! 

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